Ratgeber · Prophylaxe, Parodontologie und Endodontie · Stand 25.10.2026

Airflow Zahnreinigung: Verfahren, Ablauf und Kosten

Airflow ist ein Pulver-Wasserstrahl-Verfahren, das weiche Beläge und Verfärbungen von den Zähnen löst. Es ist keine eigene Kassenleistung und hat keine eigene GOZ-Nummer. Praxen berechnen es unterschiedlich: im Rahmen der professionellen Zahnreinigung (GOZ 1040, 3,62 Euro je Zahn beim 2,3-fachen Satz) oder gesondert nach eigener Preisliste. Ob es für Sie sinnvoll ist, hängt von Befund und Risiko ab.

Was ist Airflow und wie funktioniert das Verfahren?

Airflow ist ursprünglich der Markenname eines Geräteherstellers. Im Alltag steht das Wort für das Pulver-Wasserstrahl-Verfahren, in der Fachsprache Air-Polishing genannt. Das Gerät mischt Druckluft, Wasser und ein feines Pulver und richtet den Strahl auf die Zahnoberfläche. Dadurch lösen sich weiche Beläge, Biofilm und oberflächliche Verfärbungen, etwa durch Kaffee, Tee oder Tabak.

Das Pulver bestimmt, wie schonend das Verfahren ist. Eingesetzt werden unterschiedliche Stoffe:

PulverEigenschaftTypischer Einsatz
Natriumbicarbonatstärker abrasivoberflächliche Verfärbungen, nur oberhalb des Zahnfleischrands auf gesundem Schmelz
Glycinminimal abrasiv, Partikelgröße rund 25 bis 65 MikrometerBiofilm, auch unter dem Zahnfleischrand
Erythritsehr feinkörnig (rund 14 Mikrometer), niedrig abrasivBiofilm oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrands
Hydroxylapatitminimal abrasivPflege und Prophylaxe

Fachartikel weisen darauf hin, dass Natriumbicarbonat das Dentin stärker angreifen kann als den Schmelz. Auch bei Glycin sind geringe Substanzverluste am Dentin beschrieben. Das Pulver sollte daher zum Zahnbefund passen, und der Abstand der Düse zum Zahn sowie die Anwendungsdauer spielen eine Rolle. Das gehört in die Hand geschulten Personals.

Ablauf einer Airflow-Zahnreinigung in der Praxis

Eine Airflow-Anwendung ist meist ein Baustein einer professionellen Zahnreinigung. Der Ablauf sieht in vielen Praxen so aus:

  1. Befund und Gespräch: Die Praxis fragt nach Allergien, Atemwegserkrankungen, Medikamenten und Ernährung, weil davon die Wahl des Pulvers abhängt.
  2. Schutz: Lippen werden eingecremt, Augen und Kleidung geschützt, ein Speichelsauger kommt zum Einsatz.
  3. Pulverstrahl: Der Strahl wird in kleinen Bewegungen über jeden Zahn geführt, auch in Zwischenräumen und am Zahnfleischrand.
  4. Gegebenenfalls Ultraschall oder Handinstrumente für harten Zahnstein, den der Pulverstrahl nicht löst.
  5. Spülung, Politur der Flächen und Fluoridierung.
  6. Anleitung zur Pflege zu Hause.

Das Verfahren fühlt sich meist weniger unangenehm an als Handinstrumente, weil es ohne Kratzen auskommt. Es schmeckt je nach Pulver leicht salzig oder neutral, und Wasser läuft ab. Erwarten Sie nach der Behandlung keine Veränderung der natürlichen Zahnfarbe. Das Verfahren entfernt Auflagerungen, es hellt nicht im Sinne eines Bleachings auf.

Airflow oder klassische PZR: Wo liegt der Unterschied?

Der Unterschied liegt vor allem in der Technik, nicht im Ziel. Beide Wege entfernen Beläge und gehören zur Prophylaxe. Die klassische PZR arbeitet mit Handinstrumenten, Ultraschall und Polierkelchen. Beim Air-Polishing übernimmt der Pulverstrahl einen Teil der Belagentfernung.

MerkmalKlassische PZRAirflow (Pulverstrahl)
TechnikUltraschall, Handinstrumente, PolierkelchPulver-Wasserstrahl
Stärkeharter Zahnsteinweiche Beläge, Verfärbungen, Zwischenräume
Zahnsteinwird mechanisch gelöstwird nicht gelöst, braucht Ultraschall
AbrechnungGOZ 1040 je Zahnmeist Teil der PZR oder Zusatzposition der Praxis
Kassenleistungneinnein

Die Frage, ob Airflow besser schützt als die klassische PZR, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Verbraucherzentrale verweist darauf, dass das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen schon für die PZR insgesamt keinen klaren Vorteil gegenüber der Zahnsteinentfernung der Kasse belegen konnte. Verlassen Sie sich deshalb auf die Einschätzung Ihrer Praxis zu Ihrem Befund und auf transparente Angaben zum Nutzen.

Was kostet eine Airflow-Zahnreinigung nach GOZ?

Für Airflow gibt es keine eigene Ziffer im Gebührenverzeichnis. Praxen berechnen die Leistung deshalb unterschiedlich. Üblich sind drei Wege: Sie ist Teil der PZR nach GOZ 1040 und wird über den Steigerungssatz berücksichtigt, sie wird als zusätzliche Leistung nach Preisliste angeboten, oder sie wird als Analogleistung nach Paragraf 6 Absatz 1 GOZ berechnet. Eine belastbare bundesweite Preisspanne für Airflow allein liegt uns nicht vor.

SteigerungssatzGOZ 1040 je ZahnRechnerisch bei 28 Zähnen
1,0-fach1,57 Eurorund 44 Euro
2,3-fach3,62 Eurorund 101 Euro
3,5-fach5,51 Eurorund 154 Euro

Die Tabelle zeigt nur die PZR-Gebühr nach der GOZ, nicht den Aufpreis für ein Pulverstrahlverfahren. Laut KZBV, wie die Verbraucherzentrale sie zitiert, liegt die PZR insgesamt bei etwa 80 bis 120 Euro, teils über 150 Euro. Das gilt für die gesamte Sitzung. Ein höherer Faktor kann zum Beispiel bei stark haftenden Belägen, festsitzendem Zahnersatz oder starkem Würgereiz angesetzt werden und muss auf der Rechnung begründet sein.

Lassen Sie sich vor der Behandlung schriftlich bestätigen, was enthalten ist, welche Position der Pulverstrahl hat und welche Gesamtkosten zu erwarten sind. Das ist auch rechtlich geboten: Die Praxis muss Sie nach Paragraf 630c Absatz 3 BGB vor Beginn in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren, wenn eine vollständige Übernahme durch Dritte nicht gesichert ist.

Für wen ist Airflow geeignet und wann sollten Sie nachfragen?

Der Pulverstrahl wird in der Prophylaxe breit eingesetzt, zum Beispiel bei Patientinnen und Patienten mit Zahnspange, Implantaten oder Brücken, mit Verfärbungen oder mit Zahnfleischtaschen nach der Parodontitisbehandlung. Ob es für Sie passt, entscheidet die Praxis nach Befund. Fragen Sie nach, wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft:

  • Asthma, chronische Atemwegserkrankungen oder Atembeschwerden
  • Allergien, besonders gegen Inhaltsstoffe von Pulvern
  • Natriumarme Ernährung, falls ein Pulver mit Natriumbicarbonat vorgesehen ist
  • Empfindliche Zahnhälse oder freiliegende Wurzeloberflächen
  • Schwangerschaft oder Medikamente, die das Zahnfleisch verändern

Die Praxis kann dann ein anderes Pulver wählen, auf das Verfahren verzichten oder die Reinigung klassisch durchführen. Bei dauerhaftem Zahnfleischbluten, Zahnlockerung oder Schmerzen gehört zuerst die ärztliche Abklärung in die Praxis. Ein Pulverstrahl ersetzt keine Diagnose und keine Behandlung.

Fragen, die Sie vor einer Airflow-Behandlung stellen sollten

Mit diesen Fragen schaffen Sie Klarheit und vermeiden Überraschungen auf der Rechnung:

  • Ist Airflow in der PZR enthalten oder wird es zusätzlich berechnet?
  • Welches Pulver wird verwendet und warum?
  • Wird Zahnstein mit Ultraschall oder Handinstrumenten entfernt?
  • Welche GOZ-Nummern und welcher Steigerungssatz kommen vor?
  • Zahlt meine Kasse oder meine Zusatzversicherung einen Teil?
  • Wie oft ist die Behandlung in meinem Fall sinnvoll?

Viele gesetzliche Kassen geben für die PZR einen freiwilligen Zuschuss oder haben Bonusprogramme, und viele Zahnzusatzversicherungen erstatten sie ganz oder teilweise. Ob das auch für Verfahren wie Airflow gilt, steht in Ihren Unterlagen und sollte vorab geklärt sein. Bieten Praxen Pauschalen für mehrere Sitzungen im Voraus an, ist Vorsicht angebracht: Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Münster aus dem Jahr 2016 stuft Jahrespauschalen für mehrere PZR als unzulässig ein.

Airflow im Praxisalltag: Aufgaben im Team

Pulverstrahlgeräte werden in der Prophylaxe häufig von qualifizierten Mitarbeitenden bedient, etwa Zahnmedizinischen Prophylaxeassistenten (ZMP), Zahnmedizinischen Fachassistenten (ZMF) und Dentalhygienikern (DH), im Auftrag der Zahnärztin oder des Zahnarztes. Die Einweisung in Pulverarten, Düsenabstand und Schutzmaßnahmen ist Teil der Fortbildungen. Wer in der Prophylaxe arbeiten oder sich spezialisieren möchte, erfährt bei der zuständigen Zahnärztekammer, welche Voraussetzungen für den Aufstieg gelten.

Zum Mitnehmen

Vor dem Termin

Häufige Fragen

Ist eine Airflow-Zahnreinigung besser als eine normale PZR?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Airflow löst weiche Beläge und Verfärbungen gut, harter Zahnstein braucht weiter Ultraschall oder Handinstrumente. Welches Verfahren für Sie passt, richtet sich nach Ihrem Befund.

Was kostet Airflow bei der Zahnreinigung?

Eine eigene GOZ-Nummer gibt es nicht. Die PZR insgesamt liegt laut KZBV bei etwa 80 bis 120 Euro, teils darüber. Ob Airflow darin enthalten ist, legt die Praxis fest. Lassen Sie sich die Positionen vorab nennen.

Übernimmt die Krankenkasse Airflow?

Nein, weder Airflow noch die PZR sind Kassenleistung. Manche Kassen geben einen freiwilligen Zuschuss, einige Zusatzversicherungen erstatten einen Teil.

Tut Airflow weh?

Meist weniger als Handinstrumente. Bei empfindlichen Zähnen oder entzündetem Zahnfleisch kann der Strahl unangenehm sein. Die Praxis kann Druck und Pulver anpassen.

Hellt Airflow die Zähne auf?

Es entfernt Auflagerungen und Verfärbungen an der Oberfläche, es verändert aber nicht die natürliche Zahnfarbe. Eine Aufhellung im Sinne eines Bleachings ist es nicht.

Wie oft sollte man Airflow machen lassen?

Eine feste Vorgabe gibt es nicht. Der Rhythmus richtet sich nach Ihrem Risiko und wird mit der Praxis abgestimmt.

Quellen

Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.