Ratgeber · Zahnersatz und Implantate · Stand 25.10.2026
Sofortimplantat: Was es ist, wann es möglich ist und was es kostet
Ein Sofortimplantat wird noch am Tag der Zahnentfernung in die frische Zahnfach-Wunde eingesetzt, statt erst nach der Abheilung. Das ist nur möglich, wenn Knochen und Zahnfleisch passen und keine akute Entzündung besteht. Die Kosten tragen Sie fast immer selbst, die Kasse gibt nur den Festzuschuss für den späteren Zahnersatz, etwa 552,96 Euro bei Befund 2.1 ohne Bonus (Stand 2026).
Hauptratgeber zum Thema Zahnersatz und Implantate: Zahnersatz Arten: Krone, Brücke, Prothese und Implantat im Überblick
Was ist ein Sofortimplantat?
Von einem Sofortimplantat spricht man, wenn das Implantat unmittelbar nach der Entfernung des Zahnes in dieselbe Sitzung eingesetzt wird. Fachlich heißt das Sofortimplantation. Der Begriff beschreibt den Zeitpunkt der Operation, nicht die Art des Implantats. Der Vorteil kann sein, dass ein Eingriff entfällt und das Gewebe besser geschont wird. Der Nachteil: Die Bedingungen müssen stimmen, sonst ist der Erfolg gefährdet.
Zu unterscheiden ist die Sofortbelastung. Sie bedeutet, dass auf das Implantat sofort ein provisorischer Zahn gesetzt wird. Sofortimplantation und Sofortbelastung können, müssen aber nicht zusammen erfolgen. Ob eine Sofortversorgung sinnvoll ist, entscheidet die Praxis nach Befund, Kaubelastung und Stabilität des Implantats.
Zeitpunkte der Implantation im Vergleich
In der Fachliteratur werden mehrere Zeitpunkte unterschieden. Die Angaben zu Wochen sind Richtwerte und können je nach Quelle und Praxis abweichen.
| Zeitpunkt | Abstand zur Zahnentfernung | Merkmal |
|---|---|---|
| Sofortimplantation | Gleiche Sitzung | Ein Eingriff, intakte Zahnfach-Wände nötig |
| Frühimplantation | Einige Wochen, Weichgewebe ist geheilt | Zwei Eingriffe, Gewebe deckt die Wunde |
| Verzögerte Implantation | Rund drei bis vier Monate | Knochen teilweise geheilt |
| Spätimplantation | Mehrere Monate, oft sechs oder mehr | Knochen vollständig geheilt |
Die spätere Implantation hat den Vorteil, dass die Praxis das Gewebe vor dem Eingriff beurteilen und bei Bedarf aufbauen kann. Dafür dauert die gesamte Behandlung länger. Für die Frage, welcher Zeitpunkt zu Ihnen passt, ist die Beratung durch die Zahnarztpraxis maßgeblich.
Wann ist ein Sofortimplantat möglich?
Die Praxis prüft vor dem Eingriff, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Als günstig gelten häufig:
- Ein intakter Knochen rund um den Zahn, vor allem eine unversehrte äußere Knochenwand.
- Keine akute Entzündung oder Eiterung am Zahn.
- Ausreichend Knochen unter dem Zahn für die Verankerung des Implantats.
- Ein stabiler Zahnfleischverlauf.
- Gute Mundhygiene und keine unkontrollierten Allgemeinerkrankungen.
Bei Parodontitis, dünner Knochenwand, Rauchen oder starkem Knochenschwund ist das Risiko höher. Dann kann eine spätere Implantation sicherer sein. Ist zusätzlich ein Knochenaufbau nötig, wird er manchmal im selben Eingriff gemacht, manchmal vorher. Das hängt vom Befund ab (siehe Artikel zum Knochenaufbau).
Das Verfahren kommt vor allem im Frontzahnbereich zum Einsatz, wo Aussehen und Zahnfleischkontur eine große Rolle spielen. Im Seitenzahnbereich wird es seltener gewählt. Es bleibt eine Einzelfallentscheidung.
Vor- und Nachteile im Überblick
| Mögliche Vorteile | Mögliche Nachteile |
|---|---|
| Ein Eingriff statt zwei | Höheres Risiko bei dünner Knochenwand oder Entzündung |
| Gewebe kann bei der Entfernung gestützt werden | Keine Beurteilung nach vollständiger Heilung |
| Kürzere Gesamtbehandlungszeit möglich | Mehr Planungsaufwand, oft 3D-Diagnostik |
| Zahnfleischkontur lässt sich leichter erhalten | Nicht für jeden Zahn und jede Lage geeignet |
Ob ein Vorteil im Einzelfall eintritt, hängt vom Befund ab. Eine pauschale Aussage, dass das Sofortimplantat besser oder schlechter sei, wäre nicht sachgerecht.
Was kostet ein Sofortimplantat?
Eine pauschale Summe lässt sich nicht nennen. Das Sofortimplantat ist keine Kassenleistung, die Abrechnung erfolgt nach GOZ. Zum Preis tragen Zahnentfernung, Implantat, Aufbau, Krone und gegebenenfalls ein Provisorium bei. Die Kasse beteiligt sich über den Festzuschuss am Zahnersatz, nicht an der Implantation (§ 28 Absatz 2 SGB V).
| Position (Beispielrechnung) | Betrag |
|---|---|
| Angenommene Gesamtkosten für Einzelzahn mit Implantat und Krone | 3.800,00 Euro |
| Festzuschuss Befund 2.1 ohne Bonus | 552,96 Euro |
| Festzuschuss mit 75 Prozent Bonus | 691,20 Euro |
| Eigenanteil ohne Bonus | 3.247,04 Euro |
| Eigenanteil mit 75 Prozent Bonus | 3.108,80 Euro |
Die Gesamtkosten sind eine Annahme zur Veranschaulichung. Reale Preise unterscheiden sich je nach Region, Praxis und Aufwand. Verlangen Sie einen schriftlichen Kostenplan und fragen Sie, welche Leistungen enthalten sind.
Fragen Sie, ob Provisorium, Röntgendiagnostik und Nachkontrollen im Preis enthalten sind. Je nach Praxis werden sie einzeln berechnet. Bei Zahlungsproblemen kann eine Ratenzahlung vereinbart werden, die Bedingungen sollten schriftlich festgehalten sein.
Hinweis zum Jahreswechsel: Nach dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BGBl. 2026 I Nr. 228) sinken die Prozentsätze des Festzuschusses nach § 55 Absatz 1 SGB V für Festzuschüsse, die ab dem 1. Januar 2027 bewilligt werden, auf 50 Prozent ohne Bonus, 60 Prozent mit fünf und 65 Prozent mit zehn Jahren Vorsorge. Für vor dem 1. Januar 2027 bewilligte Festzuschüsse gelten die bisherigen Sätze (60, 70 und 75 Prozent). Alle Euro-Beträge in diesem Ratgeber beziehen sich auf 2026. Fragen Sie vor Behandlungsbeginn Ihre Kasse nach dem für Ihren Plan geltenden Stand.
Ablauf, Risiken und Nachsorge
Nach der Planung mit Röntgen oder 3D-Aufnahme wird der Zahn möglichst schonend entfernt und das Implantat in dieselbe Wunde gesetzt. Oft wird die Lücke zwischen Implantat und Knochen mit Material aufgefüllt. Ein Provisorium kann, muss aber nicht gesetzt werden. Danach heilt das Implantat im Knochen ein, bevor der endgültige Zahnersatz folgt.
Zu möglichen Risiken zählen Entzündungen, Rückgang des Zahnfleischs und ein Nichteinheilen. Deshalb sind Kontrolltermine und gründliche Pflege wichtig. Schmerzen, Schwellungen oder Lockerungen sollten Sie zeitnah ärztlich abklären lassen. Eine Garantie für das Ergebnis kann niemand geben.
Bei der Wahl des Zeitpunkts zählt die Gesamtlage, nicht allein das Tempo. Wer es eilig hat, sollte den Zeitgewinn gegen das Risiko abwägen.
Wer rauchen, bestimmte Medikamente nehmen oder an Diabetes erkrankt ist, sollte dies vorab offenlegen. Die Praxis stimmt das Vorgehen dann gegebenenfalls mit Hausarzt oder Facharzt ab. In den ersten Tagen gelten Schonung, Kühlung und Hygieneanweisungen. Weiche Kost und das Meiden von Belastung auf der Operationsstelle sind üblich.
Checkliste für die Beratung
- Ist meine Ausgangslage für eine Sofortimplantation geeignet, oder rät die Praxis zur späteren Implantation?
- Wird zusätzlich Knochen aufgebaut, und was kostet das getrennt?
- Gibt es ein Provisorium, und wie wird es abgerechnet?
- Welche Nachsorge ist vorgesehen?
- Was geschieht, wenn das Implantat nicht einheilt, und wer trägt die Kosten?
- Welche Qualifikation hat das Behandlungsteam in Implantologie?
Die Qualifikation lässt sich über Fortbildungsnachweise der Zahnärztekammern erfragen. Auch Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger in Praxis und Labor finden Informationen zu Karrierewegen in unseren Ratgebern.
Notieren Sie sich vor dem Termin Ihre Fragen und bringen Sie Medikamentenliste und frühere Röntgenbilder mit. So kann die Praxis Risiken besser einschätzen.
Zum Mitnehmen
Vor dem Termin
Häufige Fragen
Was ist ein Sofortimplantat?
Ein Implantat, das direkt bei der Entfernung des Zahnes in dieselbe Wunde eingesetzt wird, statt erst nach der Heilung.
Wann ist ein Sofortimplantat nicht möglich?
Bei akuter Entzündung, zerstörter Knochenwand oder zu wenig Knochen kann eine spätere Implantation sicherer sein. Das entscheidet die Praxis.
Was kostet ein Sofortimplantat?
Die Praxis berechnet nach GOZ. Der Preis hängt von Zahnentfernung, Implantat, Aufbau und Krone ab. Verlässlich ist nur der Kostenplan.
Zahlt die Krankenkasse ein Sofortimplantat?
Das Implantat nicht, nur in seltenen Ausnahmefällen. Für den Zahnersatz darauf gibt es den Festzuschuss nach Befund.
Ist ein Sofortimplantat schneller fertig als ein normales Implantat?
Ein Eingriff entfällt, doch das Implantat muss auch danach einheilen. Die Gesamtdauer hängt vom Einzelfall ab.
Ist Sofortimplantat dasselbe wie Sofortbelastung?
Nein. Sofortimplantation meint den Zeitpunkt des Einsetzens, Sofortbelastung das Aufsetzen eines Zahnes auf das Implantat in derselben Sitzung.
Quellen
- Sozialgesetzbuch V, § 28 Ärztliche und zahnärztliche Behandlung
- Sozialgesetzbuch V, § 55 Festzuschüsse beim Zahnersatz
- KZBV Abrechnungshilfe Festzuschüsse, gültig ab 01.01.2026
- Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ)
- Stiftung Warentest: Zahnimplantate, das sollten Sie wissen
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Änderung des § 55 SGB V (BGBl. 2026 I Nr. 228)
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, Änderung des § 55 SGB V (BGBl. 2026 I Nr. 228)
Zuletzt geprüft am 25.10.2026. Rechtliche und finanzielle Angaben können sich ändern.